Die Wappenmalereien der Basilika St. Wendelin

Von Gerd Schmitt, St. Wendel

In den Jahren 1980/81 erfolgte eine gründliche Restaurierung bzw. Renovierung der Grab- und Wallfahrtskirche St. Wendelin in St. Wendel. Dabei wurden auch die 1923 entdeckten und 1960 von dem St. Wendeler Kunsthistoriker Walter Hannig  freigelegten Deckenmalereien, die sich über das gesamte Mittelschiff des Langhauses erstrecken, von der Firma Mrziglod aus Tholey restauriert.

Die eindrucksvollen Wappenmalereien bilden in den dargestellten Wappen-schilden von14 geistlichen und weltlichen Würdenträgern einen politisch-rechtlichen Zustand ab, wie er nur in der Zeit zwischen dem April 1463 und dem August 1464 bestand. Damit ist auch die Entstehungszeit der Wappenmalereien bestimmt. Das die Wappen umgebende Rankenwerk mit seinen Drolerien ist etwas späteren Datums.Dargestellt wird die Ordnung einer ständischen Gesellschaft, verkörpert durch zwei optisch getrennte Gruppen von Wappenschilden, welche die damaligen Vertreter der geistlichen und weltlichen Gewalt bezeichnen.Diese Inhaber der kirchlichen und weltlichen Macht, damals untereinander hoffnungslos zerstritten, haben nach der Idealvorstellung der damaligen Zeit die Aufgabe, in ihrem Zusammenwirken die christliche Einheit und Eintracht zum Zwecke des öffentlichen Wohles zu fördern und zu sichern.So jedenfalls sieht und fordert es in der Mitte des 15. Jahrhunderts Nikolaus von Kues, der größte Denker seiner Zeit, ein Universalgelehrter und als Kardinal und Kirchendiplomat in die politischen Ereignisse eingebunden. Seit 1446 besitzt er die Pfarrei St. Wendelin mit ihrer Grab- und Wallfahrtskirche des Stadtpatrons als Pfründe. Man geht wohl nicht fehl, wenn man die Darstellung und Aussage der Wappenfolge auf jene Reformideen zurückführt, wie sie dieser große Kirchenmann in seinem Werk „De concordantia catholica“ (Über die allumfassende Einheit) unermüdlich propagiert hat.Die Würdenträger im Jahre 1464 , dargestellt durch ihre Wappenschilde, tre-ten hierarchisch geordnet auf. Alle Schilde sind mit ihren Schildhäuptern und den Schildfeldern auf den Hauptaltar der Kirche ausgerichtet.Der folgende Katalog der Wappen gibt in seinen biographischen Angabenden Stand des Jahres 1464 wieder.Die kirchlichen Würdenträger, dem Altarraum am nächsten stehend, eröffnen die Reihe:

Wappen 1:Der, Johann II. aus dem Hause der Markgrafen von Baden; * 1435, +  1503 (Erzbischof von 1456 bis 1503)

Das Wappen ist geviert von Kurtrier (in Silber ein rotes Kreuz) und Baden (in Gold ein roter Schrägbalken).

Der damals 29-jährige Johann, vom Trierer Domkapitel gewählt und vom Papst zum Verwalter des Erzstifts bestellt, besitzt noch keine Bischofsweihe. 1461 hat er erreicht, dass Papst Pius II. die St. Wendeler Kirche, welche ursprünglich ins Bistum Metz gehört, wo Johanns jüngerer Bruder als Bischof residiert, für die Zukunft dem Trierer Bistum zuweist. Erzbischof Johann, bisher nur weltlicher Herr der Stadt St. Wendel, übt nun auch die geistliche Gewalt aus. Johann erweist sich als begabter, um das Wohl seiner Untertanen besorgter Fürst, der sein Bischofsamt und seine Aufgabe als Landesherr ernst nimmt. Er ist kaisertreu und versucht, zwischen den zerstrittenen Reichsfürsten  vermittelnd und ausgleichend zu wirken.

Wappen 2: Nikolaus von Kues (Nicolaus Cusanus); * 1401, + 1464; 1448 Kardinal, 1450-58 Bischof von Brixen, 1460 Generalvikar und Stellvertreter Papst Pius II., Kommendatarpfarrer von St. Wendelin von 1446 bis 1464.

Das Wappen zeigt den roten Krebs, darüber schwebend den roten Kardinalshut; gehalten wird es von zwei schwebenden Engeln.

Nikolaus  Cryffts (auch Chrypffs = Krebs) aus dem Moselort Kues hat sich vom Sohn eines begüterten Moselschiffers durch seinen Fleiß und brillante Geistesgaben in die höchsten kirchlichen Ränge emporgearbeitet. Den studierten Juristen haben zahlreiche diplomatische Missionen bis nach England, Ostpreußen und Konstantinopel geführt. Als päpstlicher Legat hat er die Großen seiner Zeit kennen gelernt. Sein stets forschender Geist lässt ihn sowohl in den Naturwissenschaften als auch in Theologie und Philosophie eine führende Rolle einnehmen. Unermüdlich kämpft er als Kleriker für die kirchliche Einheit und stemmt sich als politisch denkender Mensch gegen den Zerfall des Reiches. Als  Generalvikar seines päpstlichen Freundes in Italien wirkend, vergisst er keineswegs seine Pfarrei in St. Wendel. Seine Kanzel in der St. Wendeler Kirche, die er 1462 den Gläubigen gestiftet hat, erinnert an den „Pfarrer“ im fernen Rom.

Er stirbt Mitte August 1464 im fernen Todi in Italien.

Wappen 3:  Pius II.  – Enea Silvio Bartholomeo de Piccolomini; * 1405, + 1464 (Papst von 1458 bis 1464)

Das Wappen zeigt in Silber ein blaues Kreuz, belegt mit 5 goldenen Halbmonden (Piccolomini), das Ganze überdeckt mit den zwei gekreuzten Petrusschlüsseln. Über dem Schild schwebt eine päpstliche Tiara (Dreierkrone) in einer  gotischen Form.

Der junge Piccolomini, studierter Jurist, ist Sekretär beim Konzil zu Basel, wo er Nikolaus von Kues kennen lernt, wird 1442 Kanzleisekretär bei Kaiser Friedrich III. und einer der Hauptberater des Kaisers. Er entwickelt sich zu einem namhaften Humanisten und Schriftsteller. Nach seiner Priesterweihe (1445) macht er eine steile kirchliche Karriere, die ihn schließlich auf den Papstthron führt. Von vielen wird er als der bedeutendste Papst seines Jahrhunderts angesehen.

Die große Streitfrage seines Pontifikats ist die Auseinandersetzung um den Vorrang des Konzils gegenüber dem Papstamt, die Pius mit Unterstüzung des Nikolaus von Kues zugunsten des Papstamtes durchsetzt. Ein weiterer Streitpunkt  besteht in der Forderung der böhmischen Hussiten nach dem Empfang des Laienkelches unter Berufung auf einen Konzilsbeschluss von 1433, was Pius 1462 in heftigen Gegensatz zum Böhmenkönig Georg von Podiebrad (Wappen 9) bringt, den er zum Ketzer erklärt und bannt.

Pius II. entscheidet 1461 die von Trier gegenüber Metz beanspruchte Zugehörigkeit der St. Wendeler Pfarrei zugunsten des Trierer Erzbischofs Johann II. von Baden. Sicherlich ist bei dieser Entscheidung das Wort des päpstlichen Generalvikars und St. Wendeler Pfarrers Nikolaus von Kues von Gewicht.

Mit dem Papstwappen endet die Wappenfolge der geistlichen Würdenträger.

Es folgen die Wappen der weltlichen Würdenträger der Jahre 1463/64. Zuvörderst steht das Wappen des damaligen Kaisers, dahinter erscheinen die Wappen des Kurfürstenkollegiums und der örtlichen Würdenträger.

Wappen 4: Friedrich III. von Habsburg ; * 1415, + 1493 (König seit 1440, Kaiser seit 1452)

Das Wappen zeigt in Gold einen nimbierten schwarzen Doppeladler (Kaisersymbol) mit aufgelegtem Herzschild, der in Rot einen silbernen Balken zeigt (Österreich). Über dem Schild schwebt die Kaiserkrone in der im Spätmittelalter üblichen Form als Bügelkrone.

Die Regierungszeit Friedrichs III. (1440-1493) ist gekennzeichnet durch Adelsanarchie, die zu chaotischen Zuständen im Reich führt. Der Kaiser selbst hat zu wenig Macht, um das Notwendige zu tun. Das Reich befindet sich in Auflösung. Die einflussreichen Territorialfürsten (in erster Linie die Kurfürsten) lösen nach Interessenlage die sich stellenden Ordnungsaufgaben selbst und geraten häufig in gegenseitige Konflikte. Verläuft die eigene Politik nicht in ihrem Sinne, rufen sie nach der ordnenden Hand des Kaisers, geben ihm aber nicht die Machtmittel zur Aufrichtung der Ordnung.

An den Außengrenzen drohen die Türken (1453 Eroberung Konstantinopels), im Reichsinnern sind die Aufstände der böhmischen Hussiten mit mühevollem Kompromiss beruhigt worden. 1463 übersteht der Kaiser einen Vernichtungsfeldzug, den sein eigener Bruder gegen ihn führt. Das massive Eingreifen des Böhmenkönigs Georg von Podiebrad (Wappen 9) gegen beide Kriegsparteien und der Tod des Bruders retten den Kaiser. Unaufhörliche Fehden, Verwüstung und wirtschaftlicher Niedergang sind für die Zeit kennzeichnend. Friedrich III. wird noch weitere 29 Jahre Kaiser bleiben, weiterhin achselzuckend eine erfolglose Reformpolitik versuchen, aber für das Haus Österreich eine geschickte Heiratspolitik betreiben, seiner Dynastie die Basis für den Aufstieg zur Großmacht legen und für Jahrhunderte die Kaiserkrone sichern. Friedrich III. „sitzt“ gewissermaßen alle akuten Probleme „aus“, denn er überlebt alle seine Gegner.

Es folgen die Wappen der Kurfürsten. Gemäß Reichsgesetz von 1356 übt ein Kollegium von 7 Territorialfürsten das Recht der Kaiserwahl aus; es sind dies: die jeweiligen Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg.

Wappen 5: Der (Siehe Wappen und Wappenträger 1)

Dieses Wappen in der Gruppe der rheinischen Kurfürsten hinter dem Kaiser wurde 1960 ergänzt, da das Gewölbefeld in früheren Zeiten schon einmal neu verputzt worden war. Über dem Schild schwebt die Mitra. Statt eines Wappenhalters wurden die Daten der Entstehung der Wappenmalerei, der Freilegung 1960 und der Restaurierung 1980 aufgemalt.

Wappen 6: Der , Ruprecht von der Pfalz ; * 1427, + 1480 (Erzbischof und Kurfürst von 1463 bis 1473, mit Zustimmung des Papstes abgesetzt)

Das Wappen des Kurfürsten Ruprecht ist in seinen sämtlichen Feldern gedreht, wie es damaliger heraldischer Sitte entspricht, d.h. es ist so auf den Altar ausgerichtet, dass die vornehmsten Felder dem Altar am nächsten stehen. Es zeigt im Wechsel geviert die Zeichen für Kurköln (in Silber ein schwarzes Kreuz) und Pfalz (geviert von Pfalz: rotbewehrter und –gekrönter goldener Löwe in Schwarz; und Wittelsbach: weiß-blau gerautet). Über dem Schild schwebt die Mitra. Schildhalter ist ein Löwe.

Im April 1463 wird der Pfalzgraf Ruprecht, jüngster Bruder des Pfalzkurfürsten Friedrich des Siegreichen ( Wappen 8) zum Erzbischof von Köln gewählt. Der neue Kurfürst bemüht sich um eine Beilegung der „Mainzer Stiftsfehde“. Der Mainzer Erzbischof Adolf II. von Nassau (Wappen 7) führt zur Zeit Krieg mit seinem abgesetzten Vorgänger Dieter von Isenburg um die Mainzer Kurwürde. Ruprechts Bruder Friedrich greift gegen Adolf in die Kämpfe ein. Im Oktober 1463 gelingt dem Kölner Erzbischof die Aussöhnung zwischen den beiden Mainzer Konkurrenten und im November erreicht er eine Einigung zwischen Erzbischof Adolf und dem Pfälzer Friedrich.

Streitigkeiten zwischen dem selbstsüchtigen, verschwenderischen Ruprecht und seinem Kölner Domkapitel werden trotz Vermittlungsversuchen Kaiser Friedrichs III. zu seiner Absetzung und zur Fehde mit dem neuen Administrator des Kölner Kurstaates führen. Ruprecht wird in Haft sterben.

Wappen 7: Der , Adolf II. von Nassau; * 1422, + 1475 (Erzbischof und Kurfürst von 1461 bis 1475)

Das Wappen zeigt geviert in Feld 1 und 4 in Rot  das sechsspeichige silberne Rad von Kurmainz; in Feld 2 und 3 in Blau eine rotbewehrten goldenen Löwen, von goldenen Schindeln begleitet, das Wappenzeichen der Grafen von Nassau-Wiesbaden. Gehalten wird der Schild von einem goldenen Greifen. Über dem Schild schwebt die Mitra.

Erst nach schweren Kämpfen gegen seinen abgesetzten Vorgänger Dieter von Isenburg und dessen Verbündeten Friedrich von der Pfalz kann 1463 Adolf sein Erzstift erobern. Erst jetzt ist er als Kurfürst anerkannt. Sein Territorium ist ausgeplündert, mit Schulden belastet und völlig verarmt. Adolf ist sehr bemüht um den Wiederaufbau, um Förderung von Kunst, Wissenschaft und Handel. Adolfs Bischofsweihe erfolgt erst 1466. Er wird eine bedeutende Stütze der päpstlichen und kaiserlichen Politik.

Wappen 8: Der , Friedrich I. „der Siegreiche“, auch „der böse Fritz“; * 1425, + 1476 (Regent der Pfalz von 1449 bis 1452; Kurfürst von 1452 bis 1476)

Das Wappen des siegreichen Friedrich ist - wie das seines Bruders Ruprecht (Wappen 6) – in allen seinen Feldern gedreht und auf den Altar hin ausgerichtet. Das Wappen ist geviert von Pfalz und Wittelsbach. Der aufgelegte Herzschild ist ledig von Rot ( Regalienschild des obersten Reichsrichters und Reichsvikars). Schildhalter ist ein rotgewandeter Engel.

Friedrich von der Pfalz übernimmt 1449 für seinen einjährigen Neffen die Regentschaft der Pfalz. 1452 adoptiert er seinen Neffen, sichert diesem sein volles Erbrecht zu und übernimmt mit Zustimmung des pfälzischen Adels die vollen Herrschaftsrechte in der Pfalz.  Der Kaiser sträubt sich gegen diese Lösung, die gegen Reichsrecht verstößt, und verweigert ihm die Anerkennung als Kurfürst. Die übrigen Kurfürsten akzeptieren ihn jedoch als ebenbürtig. Sein Eingreifen in die Mainzer Stiftsfehde bringt ihm den Kirchenbann durch Papst Pius II. ein. Durch die Vermittlung Ruprechts erfolgt Ende 1463 eine Aussöhnung mit dem Papst.

 Friedrich von der Pfalz gilt als glänzender Soldat und tüchtiger Regent und ist bei den meisten Zeitgenossen hoch angesehen. Ziel seiner Politik ist die Vergrößerung seines Territoriums auf Kosten seiner badischen und würrtembergischen Nachbarn. Er begründet in der Folgezeit (Schlacht von Seckenheim 1462) die pfälzische Vormachtstellung am Oberrhein.

Wappen 9: Der , Georg von Podiebrad ; *1420, + 1471 (König von 1458 bis 1469)

Das Wappen des Königs von Böhmen zeigt in Rot einen doppelschwänzigen, golden bewehrten silbernen Löwen. Über dem Schild schwebt die Königskrone.

Georg von Podiebrad und Kunstatt, ein Mann von glänzenden Gaben und weit in die Zukunft weisenden politischen Ideen, ist Führer der gemäßigten Hussiten, die das Abendmahl unter beiderlei Gestalt fordern. Er wird von den böhmischen Ständen zum König gewählt und von Kaiser Friedrich III. anerkannt, bleibt aber wegen seiner hussitischen Haltung umstritten und leistet deshalb den Abgesandten Papst Pius II. einen geheimen Treueid, der ihn zur Rückkehr zum katholischen Glauben und zur Eindämmung der hussitischen Ketzerei verpflichtet. Da Maßnahmen des Königs innerhalb Böhmens die befürchteten religiösen Spannungen auslösen, fordert er vom Papst eine Bestätigung der 1433 vom Basler Konzil zugestandenen Praxis des Laienkelches. Pius II. erklärt den König zum Ketzer und verhängt über ihn den Kirchenbann.

Wappen 10: Der, Friedrich II. „der Sanftmütige“; *1412, + 1464 (Kurfürst von 1428 bis 1464)

Das Wappen ist neunmal golden-schwarz geteilt und überdeckt mit einer schrägen grünen Ranke.

Friedrich II. von Sachsen ist der Schwager Kaiser Friedrichs III. und eine Stütze der kaiserlichen Politik. Nach den Hussitenkriegen und einer mit großer Heftigkeit geführten Erbauseinandersetzung mit seinem Bruder Wilhelm  müht er sich um Hebung von Wirtschaft und Handel. Gerühmt wird seine Verhandlungsbereitschaft, die ihm den Namen „der Sanftmütige“ einträgt. So sichert er durch die sächsisch-böhmische Erb-Einung mit Georg von Podiebrad den Süden seines Territoriums.

Wappen 11: Der , Friedrich II. „der Eiserne“ oder „Eisenzahn“; * 1413, + 1471 (Kurfürst von 1440 bis 1470)

Sein Wappen zeigt in Silber einen goldbewehrten roten Adler, dessen Flügel mit goldenen Kleestengeln besteckt sind. Der Adlerkopf ist linksgewendet, weil auf den Altar ausgerichtet.

Friedrich der Eiserne ist der zweite brandenburgische Kurfürst aus dem Hause Hohenzollern. Er beendet mit großer Härte die zahllosen Fehden der alten Geschlechter und beschneidet die Autonomie der Städte. Er organisiert die Verwaltung der Mark neu. Das arme Brandenburg. „des Heiligen Reiches Streusandbüchse“, wandelt sich allmählich zum neuzeitlichen Einheitsstaat. 1470 verzichtet Friedrich zugunsten seines Bruders auf die Kurwürde.

Hinter dem Kurfürstenkollegium folgt in hierarchischer Ordnung eine Wappengruppe regionaler Würdenträger, deren Wappenzuordnung bis heute nicht ganz geklärt werden konnte.

Wappen 12: Johann IV., Wildgraf zu Dhaun und Kirburg, Rheingraf zum Stein; * 1422, + 1476;  Pfandleheninhaber des kurtrierischen Amtes St. Wendel und zugleich nomineller Amtmann von 1458 bis 1469.

Das Wappen ist geviert mit Herzschild und zeigt in Feld 1 und 4 in Gold einen blau bewehrten und blau gekrönten roten Löwen (Wildgrafen von Dhaun), in Feld 2 und 3 in Schwarz einen zweischwänzigen silbernen Leoparden (Rheingrafen zum Stein). Der Herzschild zeigt in Rot 3 (2 :1) steigende goldene Löwen (Wildgrafen von Kirburg).

Johann erhält 1458 zusammen mit seinem Bruder Gerhard (+1474) von Johann II. von Baden das Amt St. Wendel zum Pfand für eine dem Erzbischof geliehene Summe von 6200 Gulden. Beide Brüder sind Vasallen des Pfälzer Kurfürsten, Johann ist kurpfälzischer Erbmarschall und in den Kriegen Friedrichs des Siegreichen gefürchteter Kriegsmann (Bannerträger 1462 in der Schlacht bei Seckenheim).

Wappen 13: Das Wappen zeigt in Silber einen dreiblättrigen grünen Lindenzweig ; möglicherweise handelt es sich um einen Angehörigen der Familie von Linden, die ihren Sitz im nahen Dorfe Linden (heute Oberthal) hatte. Mitglieder des Geschlechtes dienten zeitweise als Burgmannen in der Burg zu St. Wendel.

Wappen 14: In Rot 3 (2 :1) silberne Schildchen  führte ein Zweig der Familie von Schöneck, aber auch die Familie Boyart von Malberg, beides in der Eifel beheimatete Geschlechter. Eine Verbindung der beiden genannten Geschlechter zu St. Wendel ist bisher nicht festgestellt. Auch andere Familien führten dieses Schildchenwappen, aber mit Beizeichen.

Möglicherweise handelt es sich aber auch um einen der letzten Vertreter des Geschlechtes von Weinsberg (bei Heilbronn),  der in Reichs- oder in kurpfälzischen Diensten stand.

Wappen 15: Der goldene Schild mit dem schwarzen Schrägkreuz, das mit 5 silbernen Kugeln belegt ist, gehört zu einem bisher unbekannten Geschlecht.

( Das im letzten Gewölbezwickel aufgemalte Wappen gehört Papst Johannes Paul II. Es wurde aus Anlass seines Deutschlandbesuches 1980 in völliger Verkennung des Bildprogramms der Wappenfolge hinzugefügt.)

Hier finden Sie Bilder nach der Restaurierung.

Deutung der Wappenfolge

Die bei der Freilegung 1960 zunächst als Huldigung der Kirchen- und Reichsfürsten am Grabe des hl. Wendelin angesehene Wappenkonstellation wird heute anders gesehen:

Wesentlich für die Deutung des Bildprogrammes sind die hinter das Wappen des Böhmenkönigs gemalten Gestalten eines Gerichtsengels mit Posaune und eines Dämons mit geschwungener Keule.

Die Einheit der christlichen Welt, die unitas christiana, ist gestört.  Im Reiche „ist der Teufel los“. Die Wappenmalerei wird zum Aufruf und zur Mahnung, die Eintracht in der gottgewollten Weltordnung wiederherzustellen.

In seiner Philosophie von dem Zusammenfallen aller Gegensätze in der Unendlichkeit Gottes (coincidentia oppositorum) hofft Nikolaus von Kues die Gegensätze seiner Zeit zu überwinden. Die unitas christana  wird zum Gebetsanliegen eines Menschen, der, im Vorfeld der Reformation stehend, um die Brüchigkeit der alten Ordnung weiß und der begriffen hat, dass die durchgreifende Erneuerung und Gesundung des Ganzen bei aller Anstrengung menschlichen Denkens und Handelns letztlich nicht von den Menschen zu erwarten ist, sondern im Gebet von Gott erfleht werden muss.

Es ist ein theologisch-politisches Testament, welches der alternde Kardinal und Kirchenpolitiker kurz vor seinem Tode in Form einer Wappenmalerei den Menschen  seiner deutschen Heimatregion hinterlässt: in „seiner“ Kirche, die damals zu einem aufstrebenden, weithin bekannten Kultzentrum geworden war.

Nikolaus von Kues übt Kritik an den herrschenden politischen und kirchlichen Zuständen, ruft zum Gebet um Erneuerung in der Einheit auf.

Irgendwann später, als man die aktuelle Bedeutung der Malereien nicht mehr verstand, wurden sie übertüncht.

Heute ist dieser einmalige Schatz wiederentdeckt und ans Licht gebracht. Für den Gläubigen, der die Botschaft des großen Cusanus zu lesen versteht, bleibt sie immer aktuell.

Decke 6: Wappen: Trierer Erzbischof Johann II. von Baden, Kardinal Nikolaus Cusanus, Papst Pius II., Kaiser Friedrich III., Katalog Nr. 1 bis 4

Decke 8: Wappen von Papst Pius II., Katalog Nr. 3

Decke 7: Wappen Papst Pius II., Kaiser Friedrich III., Trierer Kurfürst Johann II. von Baden und der Kölner Kurfürst Ruprecht von der Pfalz, Katalog Nr. 3 bis 6

Decke 4: Kaiser Friedrich III., Trierer Kurfürst Johann II. von Baden und der Kölner Kurfürst Ruprecht von der Pfalz, Katalog Nr. 4 bis 6

Decke 5: Kaiser Friedrich III., Trierer Kurfürst Johann II. von Baden und der Kölner Kurfürst Ruprecht von der Pfalz, Mainzer Kurfürst Adolf II. von Nassau, Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, Kurfürst Georg von Padiebrad, König von Böhmen, Kurfürst Friedrich II. von Sachsen und Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg Katalog Nr. 4 bis 11

Decke 3: Kurfürst Georg von Padiebrad, König von Böhmen, Kurfürst Friedrich II. von Sachsen und Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg, Rheingraf Johann IV., Amtmann von St. Wendel Katalog Nr. 9 bis 12

Decke 2: Mainzer Kurfürst Adolf II. von Nassau, Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz, Kurfürst Georg von Padiebrad, König von Böhmen, Kurfürst Friedrich II. von Sachsen und Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg,  Rheingraf Johann IV., Amtmann von St. Wendel, Herren von Linden, Herren von Boyart oder von Schöneck Katalog Nr. 7 bis 14

Decke 1: Rheingraf Johann IV., Amtmann von St. Wendel, Herren von Linden, Herren von Boyart oder von Schöneck, unbestimmtes Wappen Katalog Nr. 12 bis 15