Architektur

Übersichtskarte

Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf die enstsprechend rotgefärbten Punkte auf der folgenden Karte:

Gliederung

Grundriss
Grundriss nach Statiker Wagner, St. Wendel
  1. Westportal mit Turmhalle und kleiner Kapelle, ursprünglich Grabkapelle der Herren von Sötern, dann Standort des Dreifaltigkeit-Altares, später bis 1980 Taufkapelle.
  2. Langhaus: dreischiffige Hallenkirche
  3. Chor
  4. Der Ostchor der Basilika besteht aus 2 Jochen und einem dritten Joch mit 5/8- Abschluss. Der Schlussstein des Chores zeigt den wiederkehrenden Christus. Die rankenartige Malerei entlang der Gewölberippen stammt aus dem Jahre 1829. Sie wurde bei der Restaurierung 1980 wieder entdeckt, freigelegt und ergänzt.

Baugeschichte und Baukörper

Erzbischof Balduin von Trier startete nach dem Erwerb von St. Wendel ein Programm zur Stärkung dieses Ortes. Neben der Erlangung des Marktrechts gehörte die Förderung der Verehrung des hl. Wendelin mit zu diesem Programm. Eine neue große und prächtige Pilgerkirche sollte die Bedeutung des heiligen Wendelin weithin sichtbar machen. Freilich hoffte auch Erzbischof Balduin, dass etwas von dem Glanz des Projektes auf seine Person ausstrahlte. Ziel war es eine Pilgerkirche zu schaffen, die einen würdigen Ort zur Aufnahme des hl. Wendelin darstellte und die den Bedürfnissen der Gemeinde in der aufblühenden Stadt und der sich stets vergrößernden Schar der Pilger gerecht wurde.

Der Vorgängerbau

Zu der gotischen Kirche des 14. und 15. Jahrhunderts gab es einen romanischen Vorgängerbau unbekannten Aussehens und Ausmaßes. Von diesem Bau sind im Bereich der westlichen Turmanlage noch umfangreiche Reste sogar im aufgehenden Mauerwerk erhalten. Außerdem stammen aus diesem Vorgängerbau noch:

  • Das Tympanon in der Turmkapelle mit einer Darstellung der Kreuzigung Jesu aus dem 13. Jahrhundert in frühgotischer Manier.
  • Im Türsturz über dem Zugang zur Orgelempore ein frühgotisches Relief mit der Darstellung des hl. Martin
  • Ein Säulenfragment mit Kapitell, welches Bestandteil des heutigen Ambos ist.


Tympanon
Tympanon
spätromantisches Relief
frühgotisches Relief
Säulenfragment mit Kapitell
Säulenfragment mit Kapitell

Die spätgotische Hallenkirche

Phase 1: etwa 1330 bis 1360
Planung und Grundsteinlegung der Kirche. Ein an gleicher Stelle vorhandener Vorgängerbau, dessen Aussehen und Maße unbekannt bleiben, wird weitgehend abgetragen. Als erstes wird der Ostchor als eigenständig nutzbare Kirche fertig gestellt. Am Pfingstmontag des Jahres 1360 wird durch den Trierer Erzbischof Boemund II. von Saarbrücken, dem Nachfolger Balduins von Luxemburg, der Ostchor eingeweiht. Dieser ist so konzipiert, dass er als selbstständige Kirche genutzt werden kann. Der so genannte Gänseturm (der Name rührt von der auf seiner Spitze befindlichen Martinsgans) dient als Aufgang zum Dachstuhl und auch vermutlich für die Unterbringung eines kleinen Geläutes. Im Innern ist heute noch in stattlicher Höhe eine gotische Tür an der Nordwestecke des Chores zu erkennen. Diese verschließt den Zugang zur Wendeltreppe im Gänseturm.

Phase 2: gegen 1400
Die westliche Turmanlage wird um 1400 unter Einbeziehung älterer Bausubstanz der Vorgängerkirche errichtet bzw. umgebaut. Auffallend ist das fast identische Kreuzgewölbe im Ostchor und in der westlichen Turmanlage.

Phase 3: etwa 1400 bis 1450
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wird durch den Bau des Kirchenschiffes der Raum zwischen westlicher Turmanlage und dem östlichen Chor geschlossen. Gegen 1450 wird dieser Bauabschnitt durch den Einbau des spätgotischen Netzgewölbes vollendet.

Phase 4: etwa 1460 bis 1500
Gegen 1465 wird eine südliche Vorhalle, die so genannte "Baltersweiler Küche", angebaut. Sie dient als Tagungsort des kirchlichen Sendgerichtes. Schließlich wird um 1480/1490 das Hauptportal mit dem Apostelfries zur Vollendung der Kirche gefertigt.

Maße der Basilika

  • Chor: Länge: 18,85 m, Breite: 9,00 m, Höhe: 16,50 m
  • Mittelschiff: Länge: 27,20 m, Höhe: 16,75 m
  • Gesamtlänge des Kircheninneren: 51,90 m
  • Turmhalle: Länge: 5,85 m
  • Höhe des mittleren Turmes: 68,70m

Der Baukörper

Die kunstgeschichtliche Wertschätzung der Basilika ist allgemein sehr hoch. In dem ansonsten oft recht nüchternen Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler von Dehio findet sich die Basilika als „der schönste spätgotische Bau des Saarlandes“ beschrieben.  Die Westturmanlage wird dort ebenfalls zu Recht als „eine der großartigsten im trierischen Raum, wahrhaft das Stadtbild beherrschend“ charakterisiert.

Außenrundgang

Die schlanke und emporragende Erscheinung der Basilika wird durch ihre erhöhte Lage und das eng anliegende Strebewerk verstärkt. Alle Strebepfeiler enden in mit Kreuzblumen gekrönten Filialen.

1.    Das Hauptportal
Die Basilika ist das höchste Gebäude in der Stadt St. Wendel. Der mittlere Turm misst 69 Meter in der Höhe. Im Jahre 1753 wurde die Turmanlage geändert und der heute noch erhaltene barocke Laternenhelm auf dem mittleren Turm angebracht. Eine Freitreppe führt zum Portal. An der Spitze des Portalbogens thront Christus als Weltenrichter, flankiert von der Schar der 12 Apostel auf Thronen. Das Portal wird von Strebepfeilern begrenzt und von einer mächtigen Kreuzblume gekrönt. Die beiden Figuren am Portal stellen den hl. Stephan und den hl. Wendelin dar. Heute befinden sich hier Kopien anstelle der im Kircheninneren aufgestellten Originale des 13. Jahrhunderts.

2.  Seitenportal zum Fruchtmarkt, nördlicher Seiteneingang
Das Relief über dem Seitenportal wurde 1925 nach einem Entwurf von Hans Steinlein geschaffen. Der hl. Matthias, Schutzpatron des Bistums Trier, und der hl. Wendelin, Schutzpatron der Stadt, huldigen der thronenden Gottesmutter mit Jesuskind.

Detailansicht
Detailansicht
Totalansicht
Totalansicht

3.  Der Gänseturm
Es handelt sich um den ältesten Turm der Kirche aus deren ersten Bauphase im 14. Jahrhundert. Der Name rührt von der auf der Spitze des Turmdaches befindlichen Martinsgans. Der hl. Martin wurde im ganzen Frankenreich sehr verehrt und sein Kult ist auch in St. Wendel früh bezeugt.

Der Gänseturm

4. Peststein
Die lateinische Inschrift ist ein Gebet um Gottes Beistand für die Menschen gegen Pest, Hunger und Krieg. Die größer gefertigten Buchstaben stellen als römische Zahlen ein Chronogramm dar, das aufgelöst das Jahr 1673 als Datum der Fertigung angibt. In dieser Zeit wüteten französische Truppen von Louis XIV. in der hiesigen Gegend und schleppten auch die Pest ein.

Der Text lautet:
ATRA PESTE FAME AVSTEROQVE FVRENTE GRADIVO ASPICE ANHELANTER TE ROGO GRATA TRIAS

Übersetzung
"Da schlimme Pest, Hungersnot und grausamer Krieg wüten, hilf, flehentlich bitte ich Dich, gnädige Dreieinigkeit."

Chronogramm:
M+V+V+V+D+I+V+I+C+L+I =
1000 + 5 + 5 + 5 + 500 + 1 + 5 + 1 + 100 + 50 + 1= 1673

Peststein

5. Holzkreuz
Im unmittelbaren Bereich hinter dem Chor befindet sich ein modernes Holzkreuz mit ausdrucksstarkem Corpus.

6. Kanonenkugel und Inschrift
Franz von Sickingen unternahm 1522 einen Kriegszug gegen den Trierer Erzbischof und Kurfürsten Richard von Greiffenclau. Anfang September belagerte das Sickinger Heer die Stadt und eroberte diese nach heftigem Beschuss und dreimaligen Ansturm. Die stark verwitterte Inschrift oberhalb der Kugel wurde Mitte des 19. Jahrhunderts durch den St. Wendeler Bildhauer Johann Demuth angebracht und lautet: "Beschießung und Plünderung der Stadt 1522." 

7. Sakristei
Der Sakristei wurde im Jahre 1744 an den Chor der Kirche angebaut. Nach Ausweis der Jahreszahl über dem Portal erhielt sie 1911 eine neue Tür, nachdem zuvor das ehemals höhere Dach zugunsten der dahinter liegenden Fenster abgeflacht wurde. Die ehemalige Höhe des Daches ist im umgebendem Mauerwerk noch gut zu erkennen.

8. Grabinschrift
Grabinschrift der Apollonia Printemps aus dem Jahre 1613. Ursprung und Bedeutung liegen völlig im Dunkeln.

9. Sonnenuhr

Die Sonnenuhr wurde in den 1980er Jahren erneuert. Ihr Ursprung liegt im Dunkeln der Geschichte.

10. Die Baltersweiler Küche,
Die südliche Vorhalle, um 1465 erbaut, trägt diesen Namen nach dem Ort Baltersweiler, der bis 1950 zur Pfarrei St. Wendel gehörte. Die Einwohner von Baltersweiler und Mauschbach hatten einen besonders langen Weg zu ihrer Pfarrkirche in St. Wendel. Im Vorbau konnten sie sich mit mitgebrachtem Essen stärken daher der Name "Küche". Der tatsächliche Zweck des Vorbaus aber war seine Funktion als Sitz des Sendgerichts. Die Sendschöffen wachten im Auftrag des Trierer Erzbischofs über die Einhaltung der kirchlichen Gebote und sprachen bei Übertretungen Strafen aus. An den Seitenwänden des Vorbaues befanden sich Sitzbänke, deren Reste man noch erkennen kann.

Das Portal wird von einem zweigeteilten Relief überragt, das 1925 von Hans Steinlein entworfen wurde.

In der oberen Hälfte des Reliefs: Christus als Weltenrichter umgeben von Engeln, welche die Martergeräte tragen.

In der unteren Hälfte des Reliefs: Der Erzengel Michael hält eine Waage, mit der die Seele des Menschen gegen seine Sünden aufgewogen wird. Links sind die Seligen mit Palme zu sehen, welche das Lob Gottes singen. Rechts die Verdammten: der Geiz mit Geldbeutel, die Eitelkeit mit Spiegel und die Sinnlichkeit mit Affenfratze.

Baltersweiler Küche Innen

Bauhandwerker

Anlässlich der Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1955 bis 1960 wurden in der Basilika zahlreiche Steinmetzzeichen dokumentiert. Diese zeugen von dem Umstand, dass in St. Wendel die gleichen Bauhütten gearbeitet haben, wie am Veitsdom zu Prag, am Münster zu Freiburg und am Dom zu Mailand. Äußerlich erinnert gerade das Turmwerk an die St. Severi-Kirche zu Erfurt.

Freiburger Münster
Dom zu Mailand
Veitsdom zu Prag
St. Severi zu Erfurt

Darstellungen der Bauhandwerker
In der Basilika finden sich etliche Darstellungen der Bauhandwerker.

Konsolfigur in der Kapelle im Westwerk