Verehrung, Liturgie und Gebet

Feste

Die Translation oder Übertragung   

Als Translation wird die Übertragung der heiligen Gebeine des St. Wendelin bezeichnet, die früher durch ein eigenes Fest (5. bzw. 7. Juli oder 8. September) gefeiert wurde. Die erste Translation Wendelins ist allerdings legendär.

Die Erzählung von der wundersamen Übertragung der Gebeine ist mitverantwortlich für die Entstehung eines eigenen Translationsfestes. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, diese Feier sei erst zur Erinnerung der Übertragung der Reliquien aus der Magdalenen-Kapelle in der Balduinstraße in das neu eingeweihte Hochchor des Wendelsdoms (1360) eingeführt worden, muss darauf hingewiesen werden, dass es diesen Festtag (u. a. nach einer Urkunde von 1318) schon vor der historisch belegten Übertragung gab.

Somit gibt es ein Zeugnis für das hohe Alter der Wendalinus-Translations-Legende, oder man muss eine andere historisch wirkliche Übertragung der Gebeine annehmen. Als solche käme etwa die Übertragung in die sicher nachgewiesene ältere Wendalinus-Pfarrkirche, dem ursprünglichen Grabheiligtum, in Betracht. Allerdings ist diese Translation nicht historisch fundiert. Auch liegen über den Transport der Reliquien aus der Magdalenen-Kapelle in die an Pfingsten 1360 eingeweihte Chorkirche keine genauen geschichtlichen Zeugnisse vor.

Die Annahme, dass der heilige Leib vor seiner Übertragung in die neue Chorkirche wirklich in der Magdalenen-Kapelle geruht habe, glaubte man mit der Darstellung der heiligen Maria Magdalena am Steinsarkophag Wendelins begründen zu können. Man nahm an, dass dieser Steinsarkophag ursprünglich für die Magdalenen-Kapelle bestimmt gewesen und bereits vor der Translation 1360 angefertigt worden sei. Gegen diese Annahme sprechen jedoch sein Alter und seine Art. Der Steinsarg gab schon so manchem Kunstkenner Rätsel auf. Erschwerend kam noch hinzu, dass zwei ähnliche Sarkophage in der Wendelin-Grabkirche vorhanden sind. Sicher weiß man nur, dass Weihbischof Verhorst 1689 den älteren Sarkophag in der Magdalenen-Kapelle vorfand.

Die Tumba stand ursprünglich in der Magdalenen-Kapelle
Die Tumba stand ursprünglich in der Magdalenen-Kapelle
Stirnseite der Tumba mit Darstellung von Maria Magdalena
Stirnseite der Tumba mit Darstellung von Maria Magdalena
Stirnseite der Tumba mit Darstellung von Gottvater, dem gekreuzigten Christus und dem Heiligen Geist (Taube)
Stirnseite der Tumba mit Darstellung von Gottvater, dem gekreuzigten Christus und dem Heiligen Geist (Taube)

Der um etwa 1370 entstandene ältere Sarkophag wird von Kirchenbesuchern oft als Ruhestätte der Gebeine des heiligen Wendelin angesehen.

Der Steinsarg, der an der Stirnseite den Gnadenstuhl (Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist) zeigt und auf dessen Seiten Darstellungen der Apostel, der heiligen Katharina und Maria Magdalena sowie des heiligen Wendelin zu erkennen sind, hat vermutlich nie die Lade des Stadtheiligen beherbergt. Der Historiker Nikolaus Obertreis schreibt in seinem Buch "Stadt und Land des hl. Wendelin" darüber: "Nach dem Jahre 1360 kam auch der Gebrauch auf, jeden Sonntag in der Pilgerzeit, von Pfingsten bis Allerheiligen, die Lade des Heiligen aus der Pfarrkirche in die Magdalenen-Kapelle und nach einer Feier dort wieder zurückzutragen, wobei das öftere Abheben des schweren Deckensteins den Bestand des Sarkophags, besonders der zarten Bildwerke daran, doch sicherlich gefährdet und beschädigt hätte. So bleibt nur die Annahme übrig, dass der Sarkophag lediglich eine Tumba (Grabmal) war, die bei der feierlichen Verehrung des Heiligen gebraucht wurde, vielleicht, um die Lade darauf zu stellen."
Dies geschieht übrigens heute noch jedes Jahr in der Wendelsfestwoche.

Die bronzene Deckenplatte mit St. Wendelin und seinen Schafen stammt erst aus dem Jahre 1924.
Die bronzene Deckenplatte mit St. Wendelin und seinen Schafen stammt erst aus dem Jahre 1924.
Details des Bronzedeckels
Details des Bronzedeckels

Das Hochgrab mit den Gebeinen, das beim Betreten der Kirche durch das Hauptportal nicht sichtbar ist, befindet sich hinter dem Hochaltarretabel. Dieser Steinsarg soll um das Jahr 1475 entstanden sein. In den Blendarkaden sind die zwölf Apostel dargestellt.

Ein altes Lied zum hl. Wendelin

Nach P. Dr. Alois Selzer soll das Lied in St. Wendel entstanden sein.

St. Wendel ist geboren
Von Königlichem blut
Viel Höher auserkoren,
weil du nit liebst das gutt
Drumb wollt dich gott belohnen
Mit großen gnaden cronen
Viel Volck auch zum patronen
dich recht annehmen tut.

Wolst gern alles Verlieren,
was hoch geschetzt die welt
Cron, Scepter, reich quittieren,
Vndt was zu hoff gefält:
In deinem ganzen Leben
Hast du dich gott ey neben
Mit Leib, Vnd sehl ergeben,
andächtig zugeselt.

Von schottland bistu gangen
aus deinem Vatterland,
zu Rom freundtlig empfangen,
erleucht im glaubenstandt
durch das wohl gott andeuten,
wie man die Welt soll meyden
Von ihm nicht mehr scheiden,
Verknüpft mit liebes bandt.

Nach gottes wohlgefallen
Von dort in frembdes landt
Mit großer Müh thattst wallen,
in westreich fein zur Hand
dem menschen zwar verborgen,
vndt all Irdischen Sorgen
allein gott woltes folgen,
dein hertz war ihm Bekannt.

Drumb weil du mögst erretten
zu vor bey lebens Zeit
durch fasten, wachen und betten,
die menschen wohl bereit
auch Jetzt im himmel droben,
da von gott erhoben
dich müssten alle loben,
von plagen befreyt.

auch bitt für vns St. Wendel,
 Bitt gott für deine statt
So durch dich große händel
glücklich verrichtet hat
fridt wolles vns bescheren,
all wohlfart stätts vermehren,
das wir dich mögen ehren
gott loben früh und spatt Amen.

Gebete:

Es gibt eine Vielzahl von Gebeten zum hl. Wendelin. Größere Verbreitung fanden sie dank der Ausgabe von gedruckten Gebetszetteln.